Gliedertaxe

Mit bunten Prospekten werben Versicherungen für ihre Produkte. Darunter auch mit Unfallversicherungen. Anhand illustrierter Grafiken wird übersichtlich veranschaulicht, was der künftige Kunde im Falle einer Invalidität von der Versicherung an Geldleistungen erwarten darf. Je höher der Grad der Invalidität ist, desto höher ist auch die Leistung der Versicherung.

Bei manchen Tarifmodellen wächst die Leistung linear zum Grad der Invalidität, bei anderen Tarifmodellen wächst sie überproportional. Daneben stellt sich die Frage, wie der Grad der Invalidität gemessen wird. Wann lässt sich von einem geringen Grad der Invalidität sprechen und wann von einem schweren Grad. Auch den Fall der Vollinvalidität kennt das Versicherungsrecht.

Allgemein versteht man unter Invalidität die Einschränkung seiner körperlichen oder geistigen Handlungsmöglichkeiten. Damit verbunden ist auch eine Einschränkung der beruflichen Tätigkeit. Je nach Grad der Invalidität kann die Einschränkung nur eine geringfügige Einschränkung darstellen oder, im schlimmsten Falle, zur gänzlichen Berufsunfähigkeit führen. Um den Grad der Invalidität festzustellen, verwenden Versicherungen sogenannte Gliedertaxen. Diese listenartige Aufzählung dient in 85 Prozent der Fälle als Grundlage für die Beurteilung des Invaliditätsgrades.

Da eine derartige Aufzählung natürlich niemals vollständig sein kann und es völlig unmöglich ist, jede individuelle Eigenheit des Versicherungsnehmers darin festzuhalten, muss der Grad der Invalidität von Versicherungsfall zu Versicherungsfall individuell beurteilt werden. So ist zum Beispiel in der Gliedertaxe der Verlust des Geschmacksinns mit einem Invaliditätsgrad von 5 Prozent festgehalten. Sollte einem Versicherungsnehmer, welcher seinen Lebensunterhalt als Schlosser erwirbt, der Geschmacksinn verloren gehen, so ist die in der Gliedertaxe festgehaltene Einstufung vertretbar. Da sich diese Invalidität nicht nachteilig auf die Ausübung seines Berufes auswirkt, erleidet die betroffene Person keinerlei finanzielle Einbußen.

Anders verhält es sich, wenn ein und dieselbe Invalidität einem Versicherungsnehmer widerfährt, welcher seinen Lebensunterhalt als Koch in einem gastronomischen Betrieb verdient. Mit Verlust des Geschmacksinnes sieht sich die betroffene Person nicht mehr in der Lage, seinen Beruf in gewohnter Weise auszuüben. In diesem Falle kann sogar von einer konkreten Berufsunfähigkeit gesprochen werden. Zwar kann durch geeignete Umschulungen ein neues Berufsfeld für die betroffene Person erschlossen werden, wofür jedoch Zeit und Geld investiert werden müssen. In einem solchen Fall erscheint die Einstufung des Invaliditätsgrades nach der Gliedertaxe als korrekturbedürftig.

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